Wir hatten bei unserer Tour-Planung schon viel gelesen über die deutsche Rallye-Schrauberin Uta Baier, ihr Team und ihren gelebten Traum Domaine de Fombeton in der Provence. Uta empfing uns herzlich, betreute uns hervorragend und so konnten auch wir 1 Woche lang mitträumen.

Wie für uns üblich, wollten wir an unserem 1. Tag in Südfrankreich zunächst etwas ortskundiger werden. Eine kleine Rundfahrt in die nähere Umgebung unseres Urlaubsdomizils für die nächste Woche bringt da mehr Sicherheit. Wir fuhren zunächst nach Sisteron.


Ort und Zitadelle waren für uns erst einmal nicht so interessant. Lag vielleicht an der etwas eigenartigen Feiertagsstimmung im Ort (Tag des Sieges) und den für uns noch ungewohnten hohen Temperaturen in Südfrankreich. Für uns Motorradfahrer interessanter war die Empfehlung von Uta, mal den Col du Pas de la Graille hinauf zu fahren.

Unsere Empfehlung an die Leser dieser Zeilen: Vom Süden her auf den Signal de Lure hochfahren. Naja, hier ist mehr (Gegen-)Verkehr als auf der teilweise sehr schmalen Nord-Rampe zu erwarten, aber weniger Wald, flüssiger zu fahren. UND, vor allem kann dann dieses Verkehrsschild nicht übersehen werden

=> heute waren es 117 Schnupper-km

Tagesetappe 1

Wir hatten uns mittlerweile gut in Fombeton akklimatisiert. Auch der Gesang der Nachtigall (lange vermisst seit der Toskana) weckte Erinnerungen. Wir waren zu größeren Taten bereit. Eine Tagestour, auf Umwegen zum Mont Ventaux, war angesagt.

Zu einem der „heiligen“ Berge, den angeblich jeder französische Hobby-Radrennfahrer mindestens 1 x in seinem Leben hinaufgefahren sein sollte. Die Profis unter den Rad-Rennfahrern kennen diese Tortur. Für die steht der Col du Mont Ventaux regelmäßig auf dem Streckenplan der Tour de France.

Uns kamen auf dem Weg zum Gipfel auch eine ganze Menge Radler entgegen. Bergab mit völlig verzückten Gesichtszügen 😉 und die, die noch hoch wollten, schauten weg. Die Werksfahrer der großen deutschen Automarken tun sich da etwas leichter. Sie testen hier auf der Süd-Auffahrt zum Mont Ventaux sehr gerne ihre Erlkönige.

Selbst das Gelände auf der Passhöhe des Mont Ventaux sah nach Teststrecke aus, hier wohl mehr etwas für die Enduro-Fahrer unter uns

Unsere heutige Rundfahrt in Roadbook-Schreibweise: Fombeton, Sisteron, Pelpin, Châteauneuf, Mallefougasse-Augès, St-Étienne, Forcalquier (hier fand gerade der Wochenmarkt statt, ein Stopp lohnt sich), Banon,  Sault, hier über die D 1 und die D 942 absolut lohnenswerter Umweg durch die Gorges (Schlucht) de Nesque, Marmoroin, Carpentras, Malaucène, Col des Tempêtes / Mont Ventaux, Sault, Montbrun-les-Brains, Séderon, Lachau, Gorges de la Méouge, Ribiers, Sisteron, Fombeton.

WOW, waren das schöne 343 Provence-km

Tagesetappe 2

Geplant war, wieder von Uta empfohlen, ein Besuch im Motorrad-Veteranen-Museum Entrevaux.

Entrevaux selber ist ein sehenswertes, mittelalterliches Dorf unterhalb einer auf einem Felsvorsprung thronenden Zitadelle. Hinfahren wollten wir hauptsächlich auf der Route Napoleon. Eingebaut in die Route hatten wir auch den Lac de Castillon. Ein schön gelegener Stausee des oberen Verdon, der in den französischen Seealpen entspringt … tja, zumindest in die Nähe der interessanten Seealpen-Pässe wollten wir fahren. Leider waren die Seealpen-Passstrassen immer noch winter-gesperrt, und das fast Ende Mai. Die Rückfahrt war auf möglichst kleinen, interessanten Nebenstrecken vorgesehen.

So sind wir gefahren:

Von Vaumeilh nach Sisteron, dann südwärts auf der N85 (der Route Napoleon) über Château-Arnoux-St-Auban weiter Richtung Digne-les-Bains, in Le Chaffaut-St-Jurson die nicht nur fahrerisch lohnenswerte Abkürzung D17 nach Chateauredon genommen, weiter auf der N85 durch Barrême  und über den Col des Leques nach Castellane, hier ging es dann ins Eingemachte, sprich abgebogen auf die D102 nach Demandolx, auf der D102 weiter über den Col de St-Barnabé nach St-Auban, weiter auf der D2211 nach Brianconnet und auf der D911 über den Col du Buis und den Col de Félines nach Entrevaux.

Der Rückweg führte dann auf der N202 über den Col de Toutes Aures vorbei am Lac de Castillon nach St-André-les-Alpes, weiter auf der N202 bis nach Barrême, nach 7 km doppelt gefahrer N85 in Chaudon-Norante abgebogen auf die Nebenstrecke D20 nach Chaudon und über den Col de Corobin weiter nach Digne-les-Bains, hier den Weg gesucht zur D3. Auf dieser Nebenstrecke weiter nach Champtecier, über den Pas de Bonnet nach Thoard, weiter über den Col de Font Belle nach Authon, St-Geniez, Sisteron und zurück nach Vaumeilh/Fombeton.

=> 290 km Tagesetappe in der schönen Provence-Alpes-Côte-d’Azur im Südosten von Frankreich

Tagesetappe 3

Unsere 3. Motorrad-Tagestour in der Provence wurde in Angriff genommen: die Runde um den Grand Canyon du Verdon. Bikerfreunde in Deutschland hatten uns schon viel von der Verdon-Schlucht vorgeschwärmt. Ein MUSS, wenn man in der Provence Urlaub macht, wurde uns immer wieder eingebläut.

Selbst der Weg dahin sollte ein Genuss werden … unsere große Runde um den Lac de Ste-Croix und dann zur Gorges du Verdon, natürlich auch über die Route des CRETES … mit teilweise atemberaubenden Tiefblicken.

So sind wir gefahren: Fombeton, Sisteron, auf der N85 nach Château-Arnoux, weiter auf der Route Napoleon, in Malijai die D8 gefunden und weiter über St-Jeannet nach Bras-d’Asse, weiter nach Puimoisson, Moustiers-Ste-Marie und hier noch nicht sofort zur Schlucht, sondern erst um den Lac de Sainte Croix herum, also erst nach Ste-Croix-du-Verdon und weiter auf der D71/D49 nach St-Andrieux, auf der D957 wieder fast zurück bis Moustiers-Ste-Marie und dann die Canyon-Umrundung in Uhrzeiger-Richtung gestartet.

Auf der D952 über den Col de l’Olivier, Col d´Ayer nach La Palud-sur-Verdon, hier schon rechts abgebogen auf die D23 (wir wollten in Fahrtrichtung näher an der Schlucht sein 😉 und da das Schlussstück zur D952 als Einbahnstraße gesperrt war, wieder zurück nach La Palud-sur-Verdon, so ein Pech auch  😉

Weiter auf der D952 führt kurz vor Castellane eine Stichstraße nach unten auf den Grund der Verdon-Schlucht. Lohnt sich, da hinunter zu fahren. Dann die D952 immer weiter bis Castellane und wieder zurück nach Jabron, Comps-sur-Artuby, die D71 führte uns zurück zum Canyon du Verdon, jetzt zur Südseite, zunächst zu den Balcons de la Mescla, dann auf der Pont de l’Artuby leider keinen Bungee-Springer gesehen, weiter nach Moustiers-Ste-Marie, über die D952 und D56 weiter nach Puimoisson, dann die D953 nach La Bégude-Blanche, ab Bras-d’Asse dann in Richtung N85 (Route Napoléon) über Sisteron zurück nach Vaumeilh/Fombeton.

Noch ein Tipp für die Straße D8: Da überraschen urplötzlich ohne Vorwarnung, meistens in Dorfnähe, mehrere DOPPEL-Bodenwellen.  In Regenzeiten sind das bei starkem Niederschlag Bach-Begrenzungen für das abfließende Wasser aus den Bergen links und rechts der Straße. Uta und andere Enduro-Fahrer sagten uns später, dass diese „Drempel“ auch auf den Schotterpisten neben der Straße so manchen Cross-Fahrer erschrecken. Ok, ok, nur beim ersten Mal, beim zweiten Mal waren es dann gewollte Flug-Einlagen 🙂

=> jeder der 314 km Tagesetappe lohnt sich nachzufahren

Unsere Ausflüge zu den Ockerfelsen von Roussillon und nach Le Lavandou an die Mittelmeer-Küste waren mehr touristische Highlights. Solche Pausen müssen im Urlaub aber mal sein. Ein Motorradfahrer wird den Weg dorthin und zurück sicherlich auch interessant gestalten können.

Zurück an den Niederrhein und direkt zum Reifenhändler sind wir dann mit unseren „Slicks“ an 1 Tag gefahren (der Asphalt auf den französichen Passstraßen „frisst“ regelrecht Reifenprofil). Das waren 1.100 km mit entsprechenden Pausen auf Raststätten, wo wir dann auf solche seltenen Exoten getroffen sind.

Offensichtlich waren wir zu früh in diesem Traumziel für Motorradfahrer unterwegs. Uns kamen Ende Mai Kolonnen von Motorradfahrern aus Deutschland entgegen. Die meisten selber fahrend, viele auch mit verladenen Bikes auf PKW- und LKW-Anhängern. Die Anreise mit dem Auto-Reisezug von Deutschland nach Narbonne ist für manche Motorrad-Fahrer auch eine Alternative.

Und wir? Wir kommen wieder, allein schon wegen der die Augen und Nase betörenden Lavendel-Blüte in der Provence und wegen der sagenhaften Passstraßen in den französischen Seealpen 🙂 Dann aber wieder mit offenem Visier.

Reise-Tipps: über das Aosta-Tal/Italien in die Provence/Südfrankreich, Teil 1/4
Reise-Tipps: über das Aosta-Tal/Italien in die Provence/Südfrankreich, Teil 2/4
Reise-Tipps: über das Aosta-Tal/Italien in die Provence/Südfrankreich, Teil 3/4
Reise-Tipps: über das Aosta-Tal/Italien in die Provence/Südfrankreich, Teil 4/4